Der Unterschied zwischen Symptom und Ursache – und warum das für dein Erstgespräch wichtig ist
- Werner Reichkendler
- 27. Mai
- 4 Min. Lesezeit

Du kennst das vielleicht: Ein Problem zeigt sich immer wieder, egal wie oft du es „gelöst" hast. Der Konflikt im Team flammt erneut auf. Die Erschöpfung kehrt nach dem Urlaub zurück. Die Spannungen in der Familie wiederholen sich wie ein unerwünschtes Ritual. Das liegt daran, dass du vermutlich am Symptom arbeitest, nicht an der Ursache. Im systemischen Coaching geht es genau darum: nicht die Oberfläche zu glätten, sondern zu verstehen, was darunter liegt. Und das beginnt bereits im Erstgespräch.
Warum die Unterscheidung zwischen Symptom und Ursache entscheidend ist
Stell dir vor, du hast Kopfschmerzen. Du nimmst eine Tablette, und der Schmerz verschwindet. Zwei Tage später ist er wieder da. Noch eine Tablette. Und wieder. Irgendwann fragst du dich vielleicht: Liegt es an der Brille? Am Stress? An der Haltung? Genau diese Frage macht den Unterschied.
Im beruflichen und persönlichen Kontext funktioniert es genauso. Das Symptom ist das, was du spürst oder siehst: der Streit, die Müdigkeit, die Unzufriedenheit. Die Ursache liegt meist eine Ebene tiefer, oft im System selbst. Im Unternehmen kann das eine fehlende Rollenklarheit sein. In der Familie unausgesprochene Erwartungen. Bei dir persönlich ein schleichender Sinnverlust.
Als Systemiker schaue ich nicht nur auf den Weg vor dir, sondern auf das ganze Gelände. Ich sehe Zusammenhänge, Muster und Dynamiken, die sich wiederholen. Denn wenn du nur das Symptom behandelst, wirst du immer wieder an derselben Stelle stolpern. Wer nicht geht, der steht – und der Gipfel bleibt unerreicht.
Drei Beispiele: Wenn das Problem woanders sitzt
Beispiel 1: Team-Konflikt vs. fehlende Führungsklarheit
Ein Unternehmer kommt zu mir und schildert einen Konflikt zwischen zwei Mitarbeitern. Sie streiten ständig, die Stimmung ist angespannt, die Produktivität leidet. Das Symptom ist klar: zwei Menschen, die nicht miteinander können. Die naheliegende Lösung wäre ein Mediationsgespräch oder ein Teambuilding-Workshop.
Doch im Gespräch zeigt sich: Die beiden haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wer wofür verantwortlich ist. Es gibt keine klaren Rollen, keine eindeutigen Entscheidungswege. Der Konflikt ist nicht persönlich, er ist strukturell. Würde man die Personen auswecheln, so würden die neuen Personen genau so streiten. Die Ursache liegt in der fehlenden Führungsklarheit. Solange die nicht hergestellt wird, werden sich die Konflikte wiederholen, egal wie gut die beiden sich verstehen.
Beispiel 2: Burnout-Symptome vs. Sinnverlust
Eine Führungskraft berichtet von Erschöpfung, Schlafstörungen, innerer Leere. Die Diagnose scheint eindeutig: Burnout. Die übliche Empfehlung: Auszeit, Stressmanagement, vielleicht ein Achtsamkeitskurs.
Doch wenn wir genauer hinschauen, zeigt sich etwas anderes. Die Person arbeitet nicht zu viel, sie arbeitet am falschen Ort. Die Werte, die ihr wichtig sind, spielen im Unternehmen keine Rolle. Sie funktioniert, aber sie gestaltet nicht. Das Symptom ist die Erschöpfung. Die Ursache ist der Sinnverlust. Keine Entspannungstechnik der Welt wird das dauerhaft lösen. Es braucht eine Neuausrichtung, eine Klärung des „Wozu".
Beispiel 3: Familienkonflikte vs. unausgesprochene Erwartungen
In einer Familie gibt es ständig Streit um Kleinigkeiten: Wer räumt auf, wer kümmert sich um was, wer wird nicht gehört. Das Symptom sind die täglichen Auseinandersetzungen. Die Lösung scheint zu sein: bessere Kommunikation, klare Absprachen.
Doch oft liegt die Ursache tiefer: Jemand fühlt sich nicht gesehen. Jemand trägt eine Last, die nie ausgesprochen wurde. Jemand erwartet etwas, das nie vereinbart war. Die Konflikte sind nur der Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses oder einer ungeklärten Rolle. Solange das im Raum steht, wird jede neue Absprache scheitern.
Wie ich im Erstgespräch einen Schritt näher zur Ursache komme
Im Erstgespräch geht es nicht darum, dass du mit einer fertigen Diagnose kommst. Du musst nicht wissen, wo die Ursache liegt. Genau das ist meine Aufgabe. Ich schaue auf das ganze Gelände, nicht nur auf den Weg vor dir.
Mein Ansatz ist präzise in der Struktur, aber verbunden mit dem Menschen. Ich stelle Fragen, die auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Nicht, um dich auszufragen, sondern um gemeinsam zu verstehen, wo das eigentliche Thema sitzt.
Fragen, die ich im Erstgespräch stelle, um der Ursache näher zu kommen:
Wann tritt das Problem auf – und wann nicht? Diese Frage zeigt Muster. Wenn der Konflikt nur in bestimmten Situationen auftaucht, liegt die Ursache oft in der Struktur, nicht in den Personen.
Wer ist noch betroffen, auch indirekt? Systeme sind vernetzt. Oft zeigt sich das Problem bei einer Person, aber die Ursache liegt woanders – in einer Beziehung, einer Rolle oder einer unausgesprochenen Dynamik.
Was hast du bereits versucht? Das zeigt mir, ob du am Symptom oder an der Ursache gearbeitet hast. Wenn alles, was du probiert hast, nur kurzfristig geholfen hat, ist das ein klares Zeichen.
Was wäre anders, wenn das Problem gelöst wäre? Diese Frage lenkt den Blick auf das Ziel. Und oft zeigt sich dabei, dass das eigentliche Ziel ein anderes ist als das vordergründige Problem.
Was würde fehlen, wenn das Problem plötzlich weg wäre? Manchmal erfüllt ein Problem eine Funktion im System. Es schützt vor etwas, lenkt ab oder hält eine Balance. Diese Frage öffnet den Raum für tiefere Einsichten.
Fazit: Was das für dein Erstgespräch bedeutet
Du musst nicht wissen, wo die Ursache liegt. Du musst nicht mit der perfekten Analyse kommen. Das ist meine Aufgabe als dein Sherpa. Ich gehe mit dir, aber du gehst selbst. Im Erstgespräch schaffen wir gemeinsam Klarheit darüber, auf welcher Ebene dein Thema wirklich sitzt. Denn nur wenn wir die Ursache verstehen, können wir nachhaltig etwas verändern.
Der schwierigste Schritt? Ihn nicht allein zu gehen. Wenn du bereit bist, nicht nur Symptome zu bekämpfen, sondern echte Veränderung anzustoßen, dann lass uns reden. Buche dein Erstgespräch und erlebe, wie systemisches Coaching funktioniert – präzise in der Struktur, verbunden mit dem Menschen. Dein Gipfel wartet.



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